Kurzgeschichten aus der totalen Erinnerung

 
der Opa -

Der Opa fuhr schon lange vor der Wiedervereinigung Deutschlands in den Westen.
Einmal brachte er eine Spiegelsonnenbrille mit dickem Chromrahmen mit.
Diese trug er dann ja auch ständig zu allen Gelegenheiten.
So hat er dann auch in seinem Testament festgehalten,                    
                                                                 dass er damit einmal beerdigt werden möchte.

Dann war es soweit – Opa lag aufgebahrt im Sarg in der Totenkapelle der Kirche.
Die Spiegelgläser funkelten – die Alten guckten neidisch auf die Westbrille.

Der Deckel wurde geschlossen. Da fiel es Oma ein, er sollte noch einen Blumengruß in die Hand gedrückt bekommen. Der Sargdeckel wurde wieder geöffnet.
Plötzlich fielen die Sonnenstrahlen durch das Giebelkreuzfenster auf Opas Spiegelgläser.
Potz – da ging eine eigenartige Blendung durch den Raum und der Deckel fiel wieder zu.
Alle waren verwirrt, stammelten und schauten komisch umher.
So wurde die Beerdigung für heute abgesagt.
Am nächsten Tag ließ sich nun aber der Deckel nicht öffnen.
Der herbeigerufene Stellmacher aus dem Ort tat sich schwer mit Gewalt und großem Hebel.
Er wusste aber nichts von der Spiegelbrille, schaute Opa mit großen Augen an und fiel,
nichts mehr sagend, nach hinten um.
Die Beerdigung sollte nun in 3 Tagen sein. Auf den letzten Blumengruß wurde verzichtet.
Jeder warf seine Hand voll Sand in die Grube und nach Beerdigungskaffee und paar Schnäpsen berichteten alle, sie hätten es unten gewaltig funkeln gesehen.

Opas Bild, natürlich mit Spiegelbrille, hängt nun über dem Sofa im Wohnzimmer.
Potz – lasse bloß das Fenster zu,
es ist bei Sonnenschein schon paar mal von der Wand gesprungen.

 


 
der Opa -

 Im Dorf war der hilfsbereite Opa gut bekannt, besonders bei den Alten und im Kirchenkreis.
So besserte er gerne seine Rente auf und hob auf dem Dorffriedhof zu jeder Beerdigung
die Grube aus . Das bereitete dann auch immer große Freude.
Durch lange Erfahrung zeigte sich, wo man hier besonders gut gucken musste.
Zahngold  – hier wurde er an alten Stellen oft fündig, wusste genau,
wo der Kopf gelegen hatte.
So wurde zu Hause schon ein beträchtliches Vermögen zusammengestellt.
 
 Dann fuhr Opa eines späten Abends mit Oma und seinem Trabant los.
Nicht im Umfeld, sondern weit entfernt hatte man eine Stelle ausgemacht,
wo alles sehr günstig veräußert werden sollte. Es sollte wohl aber nicht sein.
Nach ein paar Kilometern Landstraße kam eine tiefe Senke.
Hier war der Herbstnebel dicht und er fuhr langsam um auf der Strasse zu bleiben.
Da stand plötzlich ein Mann im Scheinwerferlicht und winkte mit langer heller Anhalterhand.
Er fuhr noch langsamer, wollte gerade halten, da griff dieser schon zum Türgriff.
Fahr bloß fahr    -    schrie seine Frau ! 
Opa gab Gas und man hörte im selben Augenblick deutlich einen mächtigen Schlag auf den Kofferraum. War dieser nun auf oder zu?    Potz - was ein Gaudi.
Der Schreck saß noch in den Gliedern als der Wagen nach paar Kilometern Umweg wieder
auf dem eigenen Hof hielt. Im schmalen Licht sahen sie ein größeres Loch im Kofferraumdeckel,
– da lag etwas Fremdes. Es war eine Hand, - die Finger noch in einen Schlagring.
Abgerissen durch die scharfen Kanten?  Doch sehr eigenartig, der schwere Beutel
mit den gesammelten Brücken und Goldzähnen war hier nun nicht mehr aufzufinden.
Über diesen Vorfall und der ganzen Begebenheit wurde ein Stillschweigen vereinbart.
Seit diesem Tage hat Opa nun nie wieder auf dem Friedhof gearbeitet.
Man hörte auch später von keinem aus der Umgebung, dem eine Hand fehlte.
Eigenartig war aber, dass sein Nachbar nicht mehr aufzufinden war, er wurde Vermisst.
Es hieß, er seihe vielleicht beim Angeln im nahen See ertrunken.
 

 
Im Herbst bei Nacht,  im Nebel tief -
da läuft ein Mann vom Beutel schief -
   ein Alter mit nur einer Hand -
   - da glitzert es am Straßenrand, 
 
fremde Zähne, Silber – Gold -
wen - hat die Gier hier eingeholt?
 


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